Lang ist es her, dass sich die klugen Schafe aus dem irischen Glennkill erstmals in mein Herz philosophierten. Das sensationelle Debüt von Leonie Swann bewies vor gut 20 Jahren, dass eine Schafherde kein plüschiges Kollektiv ist, sondern aus individuellen Persönlichkeiten besteht. Nach ihrem Frankreich-Ausflug im zweiten Band Garou mussten wir über eine halbe Ewigkeit auf Nachschub warten – doch jetzt gibt es endlich das große „Widdersehen“.
Schäferin Rebecca bricht die Europareise ab und kehrt mit ihrer Herde zurück nach Irland. Neu dazu gehört jetzt auch die vorwitzige Ziege Madouc, die sich als „Schaf auf Probe“ versucht. Kaum in der Heimat angekommen, verschwindet Rebecca spurlos. Die Herde wittert sofort ein Verbrechen. Mutig machen sich Miss Maple, Othelo, Mopple und Co. auf eine gefährliche Rettungsmission, die sie über alle Berge und durch ein trügerisches Paradies führt.
Ganz im Sinne des Cosy Crime-Genres bietet auch der dritte Band wunderbar wollige Wohlfühlspannung. Wobei es diesmal gar nicht so unblutig losgeht: Ein abgeschnittener Finger sorgt direkt für Nervenkitzel, und die Schafe müssen überraschend viel Action überstehen.
Ich bin ein großer Fan dieser liebenswerten Truppe. Ihre pragmatische Sichtweise auf die komplizierte Welt der Menschen erzeugt einen herrlich feinsinnigen Humor. Durch die Schafperspektive wirkt manch menschliches Streben geradezu absurd – man beginnt unweigerlich, sich selbst und unsere Gesellschaft zu hinterfragen. Ich liebe auch die philosophische Tiefe von Leonie Swanns Schafskrimis. In „Widdersehen“ geht es insbesondere um Fragen nach Identität und Heimat. Was macht ein Schaf zum Schaf? Die Wolle? Die Weide? Madouc ist der lebende Beweis, dass echte Zugehörigkeit tiefer geht. Denn am Ende zählt eben nicht die Wolle, sondern das Wollen und die Wollidarität. Ein großartiges Comeback!

Widdersehen
Leonie Swann
DuMont Buchverlag, 2026
ISBN 9783755801061
Dieses E‑Book wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt.
