Die Austernfischerin

Ein leiser Roman mit viel Interpretationsspielraum in der gewaltigen Kulisse der dänischen Nordseeküste.

Lydia und Hendrick ver­brin­gen ihren Urlaub bei Hendricks Mut­ter Elna in Däne­mark. Da Hendrick für sein Stu­di­um ler­nen muss, hilft Lydia Elna bei der Austern-Ernte.

Die Nord­see­küs­te Däne­marks ist wun­der­schön, aber auch wild und rau. Die­se Land­schaft spie­gelt per­fekt die ambi­va­len­ten Gefüh­le wider, die in Lydia auf­kei­men — oder auch Elnas gespal­te­nes Ver­hält­nis zur Aus­ter: Einer­seits lebt sie vom Sam­meln der Muscheln und ist fas­zi­niert von ihrer Schön­heit. Ande­rer­seits sieht sie in ihnen die inva­si­ve Art, die hei­mi­schen Vögeln das Über­le­ben erschwert. Und selbst essen möch­te sie sie nicht.

Sehr lang­sam, aber kei­nes­wegs lang­wei­lig, ent­fal­tet sich eine lei­se Geschich­te über das ver­wir­ren­de Zusam­men­spiel von Inti­mi­tät und Distanz. Elna wirkt meist schroff und ver­schlos­sen wie eine Aus­ter, öff­net sich Lydia gegen­über jedoch ganz zag­haft — so wie die gesam­mel­ten Muscheln, sobald sie wie­der im Was­ser liegen.

Celi­ne Edin­ger erzeugt mit ein­fa­chen Wor­ten eine poe­ti­sche Melan­cho­lie, die mich in den Bann gezo­gen hat. Sie beweist ein fei­nes Gespür für Stim­mun­gen, die in den Beschrei­bun­gen der Land­schaft und des Essens inten­siv und sinn­lich leben­dig wer­den. Die Neben­fi­gu­ren blei­ben neben Lydia und Elna zwar etwas skiz­zen­haft, sind aber den­noch lie­be­voll gestal­tet. Das offe­ne Ende lässt einen zwar ein wenig rat­los zurück, lädt dafür aber umso mehr zum Nach­grü­beln ein.

Ein Buch wie ein Gemäl­de, das noch lan­ge nachklingt.


Buchcover „Die Austernfischerin“ von Celine Edinger

Die Aus­tern­fi­sche­rin
Celi­ne Edin­ger
Kein & Aber, 2026
ISBN 978−3−0369−5182−9

Die­ses E‑Book wur­de mir als kos­ten­lo­ses Rezen­si­ons­exem­plar über Net­Gal­ley zur Ver­fü­gung gestellt.

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