Bei Familie Baysan in Hamburg wird gefeiert: die eine Tochter heiratet und ihr Bruder verkündet seine Verlobung. Ist klar, dass nun auch der Druck auf die Älteste wächst! Kurzerhand sucht die Mutter für die 30-jährige Amaya einen Kandidaten auf Minder aus, dem Tinder für Muslime. Doch Liebe lässt sich nicht erzwingen – statt in Ismael verguckt sich Amaya in seinen besten Freund Daniel. Wie soll sie ihren aus Marokko stammenden Eltern nur erklären, dass sie einen schwäbischen Atheisten liebt? Um Zeit zu schinden, verstrickt sie sich in immer mehr Notlügen. Und dann steht sie als Telenovela-Sternchen auch noch unter ständiger Beobachtung von Presse und Followern – wie kompliziert kann Liebe sein?!
Ich muss zugeben: es fiel mir manchmal schwer, Amayas Verhalten zu verstehen und ich fand ihr ewiges Zaudern und ihre Lügengeschichten schwer aushaltbar. Andererseits erklären die Episoden aus Amayas Vergangenheit ihre Ängste und Sorgen in der Gegenwart, und machen die Handlung dadurch nachvollziehbar.
Amayas Familie und Freunde sind wirklich zum knuddeln. Es wird viel gegessen, gefeiert und geschimpft, was interessante Einblicke in die marokkanische Kultur und Denkweise ermöglicht und vermittelt, warum das Leben der in Deutschland aufgewachsenen Generation vielleicht auch manchmal so wahnsinnig kompliziert ist. Ich fand die Struggles des Aufwachsens und das Hin- und Hergerissensein zwischen den Kulturen ganz gut nachfühlbar. Dabei geht es überwiegend lustig zu, es gibt aber auch sehr traurige Momente.
Sicherlich hat die Autorin Abla Alaoui ganz viel von ihren eigenen Erfahrungen in Amaya hineingelegt. Als Musical- und Film-Schauspielerin mit marokkannischen Wurzeln weiß sie, wovon sie schreibt, und das merkt man.
„Bissle Spätzle, Habibi?“ ist eine warmherzige Liebesgeschichte, mit sympathisch gezeichneten Figuren und einem spannenden Auf- und Ab der Gefühle.

Bissle Spätzle, Habibi?
Abla Alaoui
Ullstein, 2023
ISBN 9783843727785
Dieses Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt.
