Ich folge Eva zu Beck schon länger auf Instagram und YouTube. Ihre Reisen, die sie abseits der üblichen Traumziele auf einsame Pisten und in raue Naturlandschaften führen, finde ich spannend. Mit ihrem alten Defender, Schäferhund Vilk und einer erfrischenden Portion Naivität stürzt sie sich in Abenteuer, für die ihr oft jede Erfahrung fehlt. Noch mehr als ihre Reisen inspirieren mich aber ihre Gedanken über gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht.
Vieles aus „The Wilder Way“ kannte ich deshalb bereits: wie sie mit Trailrunning an ihre körperlichen Grenzen geht, die Herausforderungen mit Vilk, ihre Auszeit vom Leistungsdruck und ihr eigenes Stück Land in den polnischen Karpaten, auf dem sie zunächst im Zelt lebte. Und obwohl sie in ihren Videos schon ungewöhnlich offen und ehrlich wirkt, hat mich überrascht, wie viel näher sie durch ihre geschriebenen Worte noch kommt.
Vor allem die Erzählung ihrer Vorgeschichte lässt ihre Reisen und Lebensentscheidungen nochmals in neuem Licht erscheinen: das scheinbar perfekte Leben mit Karriere, Konsum und Ehemann, das sie nicht glücklich machte, und ihr Aufbruch mit einem viel zu vollen Rucksack ins Unbekannte. Ihr „wilder Weg“ ist eben kein bequemer oder geradliniger. Er führt sie gegen Erwartungen von außen und eigene Zweifel immer wieder hinaus in die ungezähmte Natur, wo sie ein ungefiltertes Gefühl des Lebendigseins sucht.
Ihre Worte haben mich darüber nachdenken lassen, wie weit wir uns in unserem durchgetakteten Leben vom unmittelbaren Erleben entfernt haben. Wie selbstverständlich wir Vorstellungen von Erfolg übernehmen, die uns Gesellschaft und Social Media vorsetzen: Geld, Konsum, Status, das Erfüllen irgendwelcher absurden Ideale. Besonders gefällt mir deshalb auch ihr Abschied von der Idee, sich selbst irgendwann „finden“ zu müssen. Stattdessen begreift sie das Leben als ständige Weiterentwicklung. Und macht Mut, ab und zu vom vorgezeichneten Weg abzuweichen.

The Wilder Way
Eva zu Beck
Malik Verlag, 2026
ISBN 9783890296265
Dieses E‑Book wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt.
