Wie ich lernte, meine eigene Suppe zu kochen…

... und damit glücklich wurde. Motivierendes Plädoyer für ein einfaches Leben mit „skalierbarem Glück“ vom Gründer der Sylter Suppen.

Der Mann mit dem klang­vol­len Namen Mau­rice Morell hat schon eini­ge Wen­dun­gen in sei­nem Leben hin­ter sich. Im Jetzt ist er bekannt als der sym­pa­thi­sche Koch vega­ner Sup­pen, die er aus einem Büd­chen in den Syl­ter Dünen her­aus ver­kauft. An drei Tagen die Woche bie­tet er jeweils drei Sup­pen zur Aus­wahl, nicht eben güns­tig, aber aus qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Zuta­ten, frisch und regio­nal und bei Bedarf gibt’s Nach­schlag – gera­de die­se Ein­fach­heit und Über­schau­bar­keit ist sein Geheim­re­zept zum Erfolg. Doch wenn wir von Erfolg reden, ist wich­tig zu erwäh­nen: nicht die wirt­schaft­li­che Ska­lier­bar­keit ist sein Ziel, son­dern die des Glücksgefühls.

Sein Buch liest sich wie ein guter Rat unter Freun­den. Gleich ist er per Du und schreibt in ein­fach zu ver­ste­hen­den, kur­zen Kapi­teln von sei­nen Erfah­run­gen und den Leh­ren, die er dar­aus für sich gezo­gen hat. Nach einer Lebens­pha­se des mate­ri­el­len Wohl­stands und Kar­rie­re in der Medi­en­bran­che, die eher unge­wollt zu Ende ging, beschloss er, sein Glück in den ein­fa­chen Din­gen zu suchen. Für ihn bedeu­tet das vor allem, auf Sylt zu leben, mit den Füßen im Watt und dem Wind um die Nase, in Kon­takt mit Natur und Men­schen zu sein. Ein Leben auf Sylt muss man sich aber leis­ten kön­nen, so denkt man – oder man macht es wie Mau­rice Morell und redu­ziert sein Hab und Gut auf ein Mini­mum, so dass ein Leben im Wohn­wa­gen mög­lich ist, ist sich nicht zu scha­de als Eis­ver­käu­fer zu arbei­ten und lebt so spar­sam, dass man sich das Start­ka­pi­tal für die Rea­li­sie­rung der eige­nen Geschäfts­idee nach und nach bei­sei­te legen kann. Morell ist ein Meis­ter im Ver­ein­fa­chen, inso­fern liest sich das Buch wie ein Rat­ge­ber zum Sim­pli­fi­zie­ren sei­nes Lebens, bis auch so gewal­ti­ge Vor­ha­ben wie ein Start-Up – und dann noch als Quer­ein­stei­ger – mach­bar erschei­nen. Wie man mit Gegen­wind und Zweif­lern von Außen und in sich selbst umgeht, wie man prak­ti­sche Hür­den nimmt, aber auch wie man sich selbst treu bleibt und sich nicht vom Weg abbrin­gen lässt, davon erzählt der Autor auf eine sehr authen­ti­sche und moti­vie­ren­de Weise.

Das Buch dürf­te beson­ders inter­es­sant sein, wenn man davon träumt, einen Street-Food-Wagen zu haben, denn hier­zu geht Morell ins Detail. Aber auch für jeden ande­ren ist die Lek­tü­re emp­feh­lens­wert, denn es geht um die Fra­ge, was uns wirk­lich glück­lich macht und wie man sei­nem Her­zen folgt.

Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: die Rezep­te am Ende sind etwas schlud­rig geschrie­ben, z.B. tau­chen in der Koch­an­lei­tung Lebens­mit­tel auf, die in den Zuta­ten nicht erwähnt wur­den. Aber das ist ver­zeih­lich – der Weg des Lebens­künst­lers erfor­dert eben Krea­ti­vi­tät und Anpassungsfähigkeit.


Buchcover "Wie ich lernte, meine eigene Suppe zu kochen" von Maurice Morell

Wie ich lern­te, mei­ne eige­ne Sup­pe zu kochen und damit glück­lich wur­de
Mau­rice Morell
Har­per­Col­lins, 2021
ISBN 9783749901081

Die­ses Buch wur­de mir als kos­ten­lo­ses Rezen­si­ons­ex­em­plar vom Ver­lag über die Platt­form Net­Gal­ley zur Ver­fü­gung gestellt.

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