Journeyman

Kein Geld, kein Plan – kein Problem! Fabian Sixtus Körner erzählt in seinem Reisebericht, wie er ohne Geld die Welt bereiste und für Kost und Logis arbeitete.

Rei­se­be­rich­te gibt es mitt­ler­wei­le wie Sand am Meer, sowohl von Män­nern als auch Frau­en. Den­noch schwirrt mir manch­mal noch die­ses Buch im Kopf her­um, viel­leicht auch weil es das ers­te die­ser Art war, das ich gele­sen habe. Die QR-Codes im Buch, die zu visu­el­len Ein­drü­cken in Form von kur­zen Video­clips auf You­Tube führ­ten, erschie­nen mir damals ziem­lich inno­va­tiv. Jetzt wür­de man ein­fach auf das Insta­gram-Pro­fil des Autors ver­wei­sen. Doch das Buch erschien im Jahr 2013 – Insta­gram steck­te damals noch in den Kin­der­schu­hen. Ich emp­feh­le die­sen aben­teu­er­li­chen Rei­se­be­richt auf jeden Fall immer noch. Nach­fol­gend mei­ne Rezen­si­on von damals:

Nach sei­nem Innen­ar­chi­tek­tur-Stu­di­um begibt sich Fabi­an Six­tus Kör­ner auf die Walz, um sich fern von der Hei­mat bei frem­den „Meis­tern“ und Kul­tu­ren fach­lich und per­sön­lich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. In zwei Jah­ren und drei Mona­ten bereist er Län­der auf fünf Kon­ti­nen­ten und arbei­tet für Kost und Logis als Archi­tekt, Desi­gner, Foto­graf und in zahl­rei­chen ande­ren Tätig­kei­ten, mit denen er nie gerech­net hät­te. In sei­nem Buch „Jour­ney­man – 1 Mann, 5 Kon­ti­nen­te und jede Men­ge Jobs“ lässt er uns an sei­nen Erleb­nis­sen teilhaben.

Das Ein­zi­ge, was auf Dau­er zählt, sind die Men­schen, die uns beglei­ten – die guten.

Fabi­an Six­tus Körner

Vie­le hoch­wer­ti­ge und stim­mungs­vol­le Farb­auf­nah­men run­den die Erzäh­lung ab. Zudem ent­hält jedes Kapi­tel einen QR-Code, der zu einem Video auf You­Tube oder Vimeo führt. Die­se kur­zen, mit Musik unter­leg­ten Video­clips wir­ken wie beweg­te Pola­roids oder Erin­ne­rungs­schnip­sel. Zusam­men mit den Beschrei­bun­gen aus dem Buch ergibt sich für den Leser dadurch ein Hauch der sinn­li­chen Ein­drü­cke, die der Jour­ney­man erfah­ren hat. Ich hal­te das für eine sehr sinn­vol­le Ergän­zung und eine inno­va­ti­ve Art der Ver­knüp­fung mit ande­ren Medi­en, die ich mir auch in manch ande­rem Buch wün­schen wür­de (z.B. his­to­ri­sche Roma­ne, Bio­gra­fien und mit bestimm­ten Orten ver­bun­de­ne Geschich­ten – da goo­gel ich oft zwi­schen­durch, um mir ein bes­se­res Bild machen zu können).

Die Kapi­tel sind alle sehr kurz, das Buch hat ja auch nicht all­zu vie­le Sei­ten, aber dadurch ist es eben auch nie lang­wei­lig. Der Autor ist dadurch gezwun­gen, sich auf die essen­zi­el­len Erfah­run­gen jeder Etap­pe zu besin­nen und dem Leser kom­pri­miert dar­zu­bie­ten. Trotz­dem wirkt es nicht zu ober­fläch­lich. Ich hat­te das Gefühl, der Jour­ney­man erzählt ganz per­sön­lich sei­ne Rei­se­er­leb­nis­se und hält kei­nen Vor­trag. Stau­nend, kichernd und nach­denk­lich, kopf­schüt­telnd und nickend las ich die­ses Buch und bin dank­bar für so man­cher Erkennt­nis, die Fabi­an Six­tus Kör­ner auf sei­nem Selbst­er­fah­rungs­trip gemacht hat. Das Buch macht nei­disch auf den Erfah­rungs­schatz, den der Jour­ney­man ange­sam­melt hat, aber im posi­ti­ven Sin­ne – er kommt bei mir nie ange­be­risch an. Man bekommt Lust, selbst auf Aben­teu­er­fahrt zu gehen, den Bal­last des moder­nen Lebens abzu­wer­fen und das Hams­ter­rad zu verlassen.

Auch ein Hams­ter­rad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter.

Fabi­an Six­tus Körner

Ich habe mich aller­dings immer wie­der gefragt, wie die Erfah­rung für eine Frau ver­lau­fen wäre. Ich glau­be, in jedem Land hät­te frau es nicht so leicht gehabt und wäre in Schwie­rig­kei­ten gera­ten, die man(n) sich nicht mal vor­stel­len kann. Oder sitzt mir da nur das ängst­li­che klei­ne Mäd­chen im Ohr, das mit der War­nung vor dem bösen Wolf erzo­gen wur­de? Es gibt bestimmt weib­li­che Glo­be­trot­ter, die genau­so allein und mit wenig Geld in der Tasche durch die Welt rei­sen. Wie sind deren Erfah­run­gen? Da muss ich mich mal schlaumachen.

Die­ses Buch emp­feh­le ich allen Rei­se- und Aben­teu­er­lus­ti­gen, Nach-sich-selbst-Suchen­den, Im-Hams­ter­rad-gefan­gen-Kar­rie­ris­ten, Ist-das-schon-alles?-Fragenden, Möch­te­gern-Aske­ten, Krea­tiv-Beruf­lern und sons­ti­gem Gesocks, das gern mal über den Tel­ler­rand linst um zu gucken, was da noch so ist.


Buchcover "Journeyman" von Fabian Sixtus Körner

Jour­ney­man
Fabi­an Six­tus Kör­ner
Ull­stein, 2013
ISBN 9783843706193

Die­ses Buch wur­de mir als kos­ten­lo­ses Rezen­si­ons­exem­plar vom Ver­lag über die Platt­form Vor­ab­le­sen zur Ver­fü­gung gestellt.

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