Das Apfelblütenfest

Liebe und Essen gehören zusammen – in dieser tragischen Love Story auf jeden Fall! Carsten Henn spricht mit seiner Erzählung alle Sinne an.

Der Früh­ling in der Nor­man­die ist geprägt vom Duft der Apfel­blü­ten. Bereits in fünf­ter Gene­ra­ti­on führt Jules Lig­nés einen Guts­hof mit Apfel­hai­nen, auf dem Cal­va­dos und Cid­re her­ge­stellt wer­den. Doch die Ver­ant­wor­tung las­tet schwer auf ihm. Der 32-jäh­ri­ge ist ein Eigen­bröt­ler und Gries­gram, von einer lang­wie­ri­gen Krank­heit gezeich­net. Ganz anders die lebens­lus­ti­ge Lilou, die an ihrem 29. Geburts­tag durch Zufall die in einen Apfel­baum geritz­te Stel­len­aus­schrei­bung für eine Haus­häl­te­rin fin­det – und so am Abend des Apfel­blü­ten­fes­tes zu Jules. Der Beginn einer Lie­bes­ge­schich­te in roman­ti­scher Kulis­se und mit viel fran­zö­si­schem Flair. Wie nicht anders von einem Restau­rant­kri­ti­ker und Wein­jour­na­list zu erwar­ten, schreibt der Autor Cars­ten Henn natür­lich auch über kuli­na­ri­sche Genüs­se, die mit melo­di­ös klin­gen­den Bezeich­nun­gen Appe­tit machen. Düf­te und Far­ben, Land­schaf­ten und Figu­ren wer­den in der Hör­buch­fas­sung auch dank der stim­mungs­vol­len Lesung von Richard Baren­berg lebendig.

Lie­be und Essen gehö­ren zusam­men – das eine macht immer Appe­tit auf das ande­re. Und bei bei­dem gilt: Wenn es gut ist, dann kann man nie genug haben! 

Der Gene­ral

Doch so wun­der­schön der Som­mer in der Nor­man­die auch sein mag, das Lie­bes­paar muss eini­ge tie­fe Täler durch­schrei­ten. Und so viel Unge­rech­tig­keit tut weh. Da ist Jules Krank­heit, die sein Leben bedroht, gera­de als er die Lie­be fin­det. Und Lilou muss nicht nur einen lüs­ter­nen Bür­ger­meis­ter abweh­ren, son­dern wird dafür auch noch bestraft. Ganz viel Dra­ma und Herz­schmerz also, das in die­ser Idyl­le umso schreck­li­cher wirkt.

Den­noch bin ich mit die­ser Lie­bes­ge­schich­te nicht rich­tig warm gewor­den. Zu sehr wird hier schwarz-weiß gemalt, in „die Guten“ und „die Bösen“ gedacht. Zu vor­her­seh­bar ent­wi­ckelt sich die Hand­lung und wirkt dadurch sehr lang­at­mig. Die Stär­ke Henns liegt ein­deu­tig in den skur­ri­len Cha­rak­te­ren, die in die­sem Roman lei­der nur Neben­rol­len haben, anders als im ein­zi­gen ande­ren Roman, den ich von ihm ken­ne. Nach den absurd komi­schen Figu­ren in „Rum oder Ehre“ emp­fand ich „Das Apfel­blü­ten­fest“ ent­täu­schend flach. Für mich hät­te sich die Geschich­te gern ganz um den Gene­ral und Gas­ton, Ame­lie und Clau­det­te dre­hen kön­nen, statt in der Hol­ly­woo­des­quen Trän­den­drü­sen-Love­sto­ry zwi­schen Jules und Lilou zu versumpfen.


Cover des Hörbuchs "Das Apfelblütenfest" von Carsten Henn

Das Apfel­blü­ten­fest
Cars­ten Henn
Hör­buch Ham­burg, 2022
ISBN 9783869525730

Die­ses Hör­buch wur­de mir als kos­ten­lo­ses Rezen­si­ons­exem­plar über Net­Gal­ley zur Ver­fü­gung gestellt.

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